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Vergleich der direkten und indirekten Liquiditätsplanung: Treasury vs. Controlling

Liquiditätsplanung Im Treasury vs Controlling

Die Liquiditätsplanung ist ein zentrales Element des Finanzmanagements in Unternehmen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass jederzeit genügend Zahlungsmittel zur Verfügung stehen, um laufende Verbindlichkeiten zu decken, gleichzeitig aber auch Kapital effizient eingesetzt wird. Dabei haben sich zwei unterschiedliche Ansätze etabliert: die direkte Liquiditätsplanung, wie sie typischerweise im Treasury eingesetzt wird, und die indirekte Liquiditätsplanung, die eher dem Controlling zugeordnet ist. Beide Methoden haben ihre Daseinsberechtigung, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele und basieren auf verschiedenen Datenquellen und Annahmen. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede, Gemeinsamkeiten sowie Vor- und Nachteile beider Ansätze.


Direkte Liquiditätsplanung im Treasury

Die direkte Liquiditätsplanung basiert auf konkreten, realen Ein- und Auszahlungsströmen. Hierbei werden Zahlungsströme auf Basis tatsächlicher Transaktionen geplant – z. B. eingegangene Kundenaufträge, offene Verbindlichkeiten, Zahlungsläufe, geplante Investitionen oder Finanzierungen.


Merkmale:

  • Zeithorizont: Kurzfristig bis mittelfristig (typisch 1 Tag bis 13 Wochen, teilweise bis 12 Monate)
  • Datengrundlage: Konkrete Zahlungsdaten aus ERP-Systemen, z. B. SAP FI, Bankenschnittstelle
  • Transaktionsebene: Detaillierte Betrachtung einzelner Zahlungen (z. B. Rechnung über CHF 4'711.- mit Fälligkeit 15.08.)
  • Währungsdimension: Zahlungen werden in Originalwährung erfasst, wodurch das Währungsrisiko direkt sichtbar ist
  • Zielsetzung: Sicherstellung kurzfristiger Liquidität, Steuerung des Cash Pools, Optimierung der Finanzierungskosten

Vorteil: Transparenz pro Währung

Ein zentraler Vorteil der direkten Liquiditätsplanung ist die Abbildung von Transaktionen pro Währungseinheit. Diese Detailtiefe erlaubt dem Treasury:

  1. Frühzeitige Erkennung von Währungsungleichgewichten
  2. Absicherung durch Devisengeschäfte (z. B. Forward, Swaps)
  3. Konkrete Massnahmen zur Liquiditätssicherung in der jeweiligen Währung
  4. Flexible kurzfristige Anlagen und Aufnahmen in der geeigneten Währung > vor allem interessant bei Negativzinsen! Tip: Swap-Punkte sind enger als Money Market Pips und das eröffnet neue Opportunitäten in der Finanzierung!
Treasury System


Technologischer Aspekt: Einsatz eines Treasury Management Systems

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor in der direkten Liquiditätsplanung ist der Einsatz eines Treasury Management Systems (TMS). Moderne Systeme wie SAP Treasury, Coupa, ION, Kyriba oder Nomentia ermöglichen eine automatisierte, integrierte und skalierbare Planung:

  • Vermeidung manueller Fehler: Im Vergleich zu Excel-basierter Planung entfällt das Risiko von Formelfehlern, Medienbrüchen oder veralteten Daten.
  • Flexible Auswertungen: Dashboards, Filtermöglichkeiten und Drill-downs bis auf Einzeltransaktionen erhöhen die Analysefähigkeit.
  • Automatisierte Datenintegration: Schnittstellen zu ERP-Systemen, Bankkonten und internen Subsystemen garantieren aktuelle Daten.
  • Cash Flow Prognosen mit KI: Viele TMS bieten mittlerweile KI-gestützte Prognosefunktionen, z. B. zur Hochrechnung künftiger Zahlungsflüsse aus Debitoren (Dritte und Intern), Kreditoren oder Leasingverträgen.

Insbesondere in Konzernen mit internationaler Präsenz ermöglich die direkte Planung mit einem solchen System klare Wettbewerbsvorteile in Form von besserer Risikokontrolle und adäquateren Informationen, welche zu besseren Finanzierungsentscheidungen führt.


Indirekte Liquiditätsplanung im Controlling

Die indirekte Liquiditätsplanung erfolgt auf Basis der GuV (Erfolgsrechnung), der Bilanz und ggf. weiterer Planungsrechnungen. Es werden Cashflows aus Plan-Ergebnissen abgeleitet, z. B. durch Anpassungen des EBITDA um Veränderungen im Working Capital, Investitionen und Finanzierungstätigkeiten.

Merkmale:

  • Zeithorizont: Mittelfristig bis langfristig (oft 12 bis 36 Monate, teilweise 5 Jahre)
  • Datengrundlage: Planungsergebnisse aus dem Controlling, z. B. aus integrierten Planungsrechnungen
  • Aggregationsebene: Hoch aggregiert (z. B. Cashflow aus operativer Tätigkeit pro Monat)
  • Währungsdimension: Meist konsolidiert auf eine Leitwährung, Währungsrisiken bleiben oft unberücksichtigt
  • Zielsetzung: Strategische Finanzplanung, Kapitalbedarfsermittlung, Budgetierung

Nachteil: Keine Transaktionsebene, geringere Währungstransparenz

Da die indirekte Liquiditätsplanung auf Periodenergebnissen basiert, fehlen ihr typischerweise konkrete Zahlungstermine oder eine strukturierte Erfassung pro Währung. Dies kann insbesondere bei international tätigen Unternehmen ein Risiko darstellen, wenn Liquiditätsengpässe durch Wechselkursschwankungen nicht frühzeitig erkannt werden. 

 

Beispiel: Funktionale Währung = CHF, Planumsatz = 1 Mio USD, 15% EBIT-Marge, USD/CHF Kurs bei Planung 0.90
> USD 1 Mio x 0.9 = Umsatz CHF 0.9 Mio abzüglich 85% Kosten bis Stufe EBIT = Planerlös CHF 135'000
>> Mit dieser Liquidität rechnet das Controlling als Mittelfluss vor Finanzierung
Szenario: USD sinkt um 12% (real passiert im ersten Halbjahr 2025). In anderen Worten, die EBIT Marge reduzierte sich von 15% auf 3%!
Wenn noch Finanzierungskosten von 3% dazu kommen, resultiert ein Arbeit für 0.- Ertrag. Am Ende resultiert ein Verlust, wenn der WACC höher als die 3% ist, wovon auszugehen ist.


Lösung: Mit einem direkten währungssensitiven Liquiditätsplan wären die geplanten Cash Flows (Umsatz abzgl. Kosten) als Fremdwährungsrisiko identifiziert worden und entsprechend abgesichert, so dass die Marge geschützt wurde. (In der Praxis verbleibt noch das restliche Bilanzrisiko sowie die Komplexität der Zahlungsverzögerungen und multiplen Währungen der Kosten - ebenfalls unter Kontrolle mit dem Treasury-Liquiditätsplan).


Gegenüberstellung: Direkte vs. Indirekte Liquiditätsplanung

Liquiditätsplanung in Treasury und Controlling


Kombination beider Ansätze: Best Practice

In der Praxis zeigt sich zunehmend, dass Unternehmen beide Ansätze kombinieren, um sowohl operative als auch strategische Steuerungsinformationen zu erhalten. Ein Beispiel:

  • Das Treasury nutzt die direkte Liquiditätsplanung zur täglichen Steuerung von Bankkonten, Devisentermingeschäften und kurzfristigen Finanzierungsmassnahmen – idealerweise über ein TMS mit automatisierten Workflows und KI-Unterstützung.
  • Das Controlling ergänzt mit der indirekten Planung den strategischen Ausblick über mehrere Jahre, z. B. für Investitionsentscheidungen oder Rating-Prognosen.
  • Abstimmungspunkte: Monatsabschlüsse und Forecast-Zyklen bieten eine ideale Schnittstelle, um Abweichungen zwischen Plan und Ist zu analysieren.


Praxisbeispiel: Multinationales Unternehmen mit 5 Währungen

Ein Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz und Niederlassungen in den USA, China und Grossbritannien kann durch die direkte Liquiditätsplanung erkennen, dass in der nächsten Woche ein hoher Mittelabfluss in CNY (chinesischer Yuan) zu erwarten ist, während die liquiden Mittel dort nicht ausreichen. Das Treasury identifiziert diese Währungslücke frühzeitig über das TMS und sichert CNY über einen Devisenswap gegen USD. Die indirekte Planung hätte diesen Engpass womöglich nicht erkannt, da die GuV-Positionen konsolidiert und zeitlich geglättet sind.

Pro- und Contra-Zusammenfassung

Direkte Liquiditätsplanung (Treasury)

Pro:

Contra:

Hohe Genauigkeit und Tagesaktualität

Hoher Implementierungs- und Pflegeaufwand (insbesondere ohne TMS)

Konkrete Transaktionen sichtbar

Geringe Prognosefähigkeit über mehrere Monate hinaus > Lösungsansatz: Höherer Reportingintervall, ab 3 Monaten Hinzunahme der Controlling-Reports

Transparenz pro Währung

Abhängigkeit von Datenqualität und Systemintegration

Grundlage für kurzfristige Finanzierungsentscheidungen


Unterstützung durch moderne TMS mit KI-Prognosen



Indirekte Liquiditätsplanung (Controlling)

Pro:

Contra:

Gute Langfristprognose und Budgetgrundlage

Geringe Detailtiefe

Integration in strategische Unternehmungsplanung

Kaum tagesgenaue Steuerung möglich


Währungsrisiken werden oft explizit betrachtet


Schlechte Reaktionsfähigkeit bei kurzfristigen Veränderungen


Merkmale, die in beiden Reportings vorkommen, sind nicht explizit zugeordnet. Zum Beispiel Unterteilung in Operativ/Capex/Finanzierung und Intern/Extern oder eine Szenarioplanung und Stresstests.

Fazit

Die direkte und indirekte Liquiditätsplanung verfolgen unterschiedliche Ziele und ergänzen sich in ihrer Wirkung. Während das Treasury mit der direkten Planung kurzfristige Zahlungsfähigkeit und Währungsrisiken aktiv steuert, liefert das Controlling mit der indirekten Planung eine langfristige Perspektive auf die finanzielle Entwicklung des Unternehmens. Moderne Treasury Management Systeme sind heute nahezu unerlässlich, um die steigende Komplexität in multinationalen Strukturen, mehreren Währungen und sich schnell verändernden Zahlungsströmen effizient zu steuern. Unternehmen, die beide Planungsmethoden integrieren, durch Technologie unterstützen und regelmäßig abstimmen, verfügen über eine belastbare Liquiditätssteuerung – operativ wie strategisch.

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